Dressurgala

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Presseartikel NGZ vom 05.03.2007

Hurrican auf die dicke Tour
VON MAREIKE ROSZINSKY

Neukirchen: Er ist Spezialist für die „dicke Tour“. Wenn sich August Schulte Quaterkamp, Angestellter des Nordrhein-Westfälischen Landgestüts in Warendorf, an die Arbeit macht, muss er sich „(ge)wichtigen“ Tatsachen stellen. Sein „Arbeitskollege“ Hurrican, eine rheinischer Kaltbluthengst, bringt nämlich geschätzte 1000 Kilogramm auf die Waage. Wenn er verstimmt ist, sollte man seinen Fuß nicht unter die Hufe kommen lassen: Die sind so groß wie Suppenteller, und bei einer Tonne Lebensgewicht absolute „Zehenbrecher“.

Dementsprechend respektvoll machten die rund 650 Zuschauer am Samstagabend bei der Dressur-Gala auf dem Gestüt Gut Neuhaus in Neukirchen Platz für Hurrican, als er galoppierte, dass die Erde bebte. Hurrican ist der Star im Rahmen der Hengstpräsentation des Landgestüts. Mit seinem Charme haut nicht nur die sonst so standfesten rheinischen Kaltblutstuten um, sondern auch zweibeinige Fans. Die „dicke Tour“ ist ein Publikumsrenner. Mit Humor nehmen die beiden den Dressursport auf’s Korn.

Insgesamt 16 Hengste hatte das Landgestüt nach Neukirchen „verfrachtet“ - ein „Leckerli“ für Pferdefans, für das Team von Landgestütschefin Susanne Rimkus aber eine Herausforderung. „Mal eben so mit 16 Hengsten zu verreisen - das ist immer wieder ein Abenteuer, trotz Routine“, weiß sie. Zum Beispiel Hurrican: Was er nicht will, macht er nicht. „Da ist er konsequent“, schmunzelt Quaterkamp. „Und er hat einfach die gewichtigeren Argumente.“ Zum Glück hatte der schwere Kollege am Samstag die richtige Arbeitseinstellung.
e 180 Jahre alt, ist im Besitz des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Aufgabe des Gestüts ist seit seiner Gründung unverändert geblieben. Sie besteht darin, den Züchtern qualitätvolle und genetisch interessante Hengste gegen ein angemessenes Deckgeld zur Verfügung zu stellen. Oberstes Ziel dabei ist der Zuchtfortschritt.
Schon am Freitag machte sich das Team an die Vorarbeit: Das Sattelzeug wurde auf Hochglanz poliert, die Uniformen der Reiter zurechtgelegt, die Transporter beladen. „Das geht schnell“, meint die Chefin. Samstagmorgen mussten dann die Hengste in den Schönheitssalon. Waschen, schneiden, frisieren - „das finden die Herren der Schöpfung nicht immer so amüsant wie das weibliche Geschlecht der zweibeinigen Fraktion“, erzählt Quaterkamp.
Sein Hurrican fällt in die Kategorie „Naturbursche“, weshalb die Mähne ohne Zöpfchen blieb. Vom Schönheitssalon ging es dann direkt auf zwei Transporter. Hurrican hatte Platz satt. Aus Gewichtsgründen konnte er allein im Extra-Hänger fahren. „Zwei Pferde, und dann auch noch eins davon im XXL-Format, das verkraftet der Hänger nicht“, meint Quaterkamp.
Mit der Ankunft auf Gut Neuhaus begann der eigentliche Stress: Hengste abladen, satteln, Reiter aufsteigen - alles in Minutenschnelle. „Der Zeitplan ist eng, damit in Warendorf nicht zu viel Arbeit liegen bleibt“, meint Bereiter Jan Steiner, der gerade Fürst Piccolo sattelt. Der ist nervös, weshalb das Paar in der Reithalle ein paar flotte Runden dreht - „Dampf ablassen“. Kaum hat er den Auftritt mit Fürst Piccolo hinter sich, steigt Jan Steiner in den nächsten Sattel.
„Solche Aktionen klappen nur im Team“, sagt er und meint damit auch die Mitarbeit der Vierbeiner. Kaum aus dem Sattel, macht Steiner sich direkt ans Absatteln und Verladen. „48 Stunden Hektik für 90 Minuten Show - das ist ein harter Job.“
Die drei Stunden Rückfahrt hat er nicht eingerechnet, genauso wenig das Auslanden der Hengste, die dann noch mitten in der Nacht „boxenfertig“ gemacht werden müssen. „Wir sind eben Spezialisten für die dicke Tour“, sagt Quaterkamp - „in jeder Hinsicht“.